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Reisebericht Pico del Teide Sonnenaufgang

 Teide 2 Tage Tour mit Übernachtung im Refugio und Sonnenaufgang am Gipfel
Aufstiegsweg am Montana Blanca

Wir wissen: Alles, was wir bis Mittwoch morgen brauchen, müssen wir mitschleppen, also Wasser, Verpflegung für unterwegs und für die Übernachtung auf der Hütte, warme Sachen für oben. Und natürlich haben wir auch Wein und Weinbrand dabei, abgefüllt in die 0.5-Liter-Babywasser-Plastikflaschen. Man will ja auf der Hütte noch gemütlich zusammen sitzen.
Die Rucksäcke für diese Tour sind entsprechend sehr voll und schwer.

Auf der Fahrt kommt der Teide immer näher, wird immer größer. Es herrscht irgendwie eine seltsame Stimmung, mal ein paar Scherze, aber nicht zu vergleichen mit den Anfahrten zu den vorangegangenen Touren.

Bis auf 2200 m Höhe bringt uns der Minibus, es ist 12.45 Uhr, wir steigen aus und machen uns fertig. Letzte Möglichkeit, noch abzuspringen... Wieder ein paar Scherze, wir stehen vor der Karte, und der Weg sieht eigentlich ganz überschaulich aus.

Also gehen wir los, 10 Leute und Jörg, unser Wanderführer, man geht so vor sich hin, jeder in seinem Rhythmus, nicht schnell, jeder schont seine Kräfte, weil wir nicht wissen, aber ahnen, was noch auf uns zukommt. Ich gehe hinter Sebastian, er hat genau meinen Schritt. Wenn der Weg so weiter ginge, könnte ich endlos laufen. Breit, leichte Steigung, aber man kann regelmäßig gehen. Doch das wird nicht so bleiben. Unser Ziel für den ersten Tag ist immerhin die Hütte auf 3200 Höhenmeter.

Die Landschaft ist geprägt durch die unterschiedlichen Geröllarten, wir laufen über Bimsstein, vorbei an den „Huevos del Teide“, den schwarzen Teide-Eiern, herausgeschleuderte Lavamasse, die beim Herabrollen erkaltete. Vor uns eine schwarze Lavazunge durch das braungelbe Geröll den Berg hinab. Man kann sich noch vorstellen, wie die Lava geflossen ist, bis sie zum Stillstand kam und erstarrte.
Die erste Pause

Bevor der richtige Anstieg beginnt, machen wir noch eine längere Pause – mit der üblichen Fütterung der „Krokodile“ (Eidechsen).
Wieder ist es recht still, jeder weiß: Ab hier wird es schwieriger.

Weiter geht es, stetig und unregelmäßig in den Geröllmassen im Zickzack bergauf. Wenn wir uns umsehen, staunen wir nur, wie weit und tief unser letzter Rastplatz schon unter uns liegt.
Und bald sind wir auch schon auf halber Höhe der Lavazunge, die vor gar nicht so langer Zeit noch vor uns lag.

Man schaut auf den Weg, den man geht, und der ist manchmal nur schwer zu erkennen. ab und zu schaue ich auch mal nach oben, aber das Ende, das man oben sieht, ist trügerisch. Danach geht es immer noch weiter. Je höher wir kommen, umso dünner wird die Luft. Immer öfter sind kurze Pausen erforderlich, um wieder zu Atem zu kommen, nicht für alle, aber für einige, auf alle Fälle für mich. Jörg ist ganz lieb, bleibt immer bei mir – ich habe schon Angst, die ganze Gruppe aufzuhalten.

Aber es ist ein guter Gruppenzusammenhalt. Keiner wird allein zurückgelassen, Herrmann, Christoph oder Manfred machen oft den „letzten Posten“, obwohl sie schneller könnten. G
isela geht irgendwann weit voraus, weil sie ihren eigenen Rhythmus gehen und sich durch niemanden hinter sich gedrängt wissen will. Jeder geht seine Geschwindigkeit, aber wir bleiben eine Gruppe.

Keine Ahnung, wann und wie oft wir wieder Pausen gemacht haben, wann habe ich meine Jacke angezogen und die Handschuhe rausgeholt? Irgendwann gegen 18.00 Uhr sehen wir die Stahlstange der Hütte, dann die Rufe der ersten, die dort ankommen. Das spornt uns noch einmal für den Rest an, und dann sind wir auch dort angekommen.
 Erstes Etappenziel erreicht!!
Es gibt zumindest erstmal ein Kloo, es ist warm, wir besetzen einen großen Tisch, weil: mit uns ist noch eine Gruppe von 28 Italienern dort, und wir müssen sehen, dass wir zum Essen kommen.

Die Idee mit den Tütensuppen war gut, aber woher das Wasser nehmen. Das aus der Leitung soll man nicht trinken, kann man es zum Kochen nehmen ? Unser mitgenommenes Wasser brauchen wir noch für den Abend und den nächsten Tag. Am Automaten kosten 0,5 Ltr. Wasser 3 €. Ich ziehe noch 2 Flaschen, denn wir haben gemerkt, dass man gerade in diesen Höhen doch mehr Flüssigkeit braucht als sonst.

Es gibt einen Wasserkocher, also kochen wir das Leitungswasser für die Tütensuppen ab. Blöde Absprache: Wir haben 5 Tomatensuppen und eine Champignoncreme – wegen der Abwechslung. Was aber auch heißt, wir müssen zweimal kochen. Hildegard zaubert eine leckere Tomatensuppe, jeder einen Teller, mit je ½ Brötchen sind Jürgen und ich schon pappsatt.
Die  Champignoncreme wird zweiter Gang für die, die noch Hunger haben. Dann heißt es abwaschen, denn die Italiener wollen auch essen, und wir räumen die Tische.

Mittlerweile können wir auch die Betten „besetzen“, Jörg hat uns für die Wanderung und die Betten angemeldet (sonst müsste man auf dem Boden schlafen) und auch schon einen Raum okkupiert. Wir schmeißen erstmal eine Jacke aufs Bett: „Das ist unsers“. In unserem Zimmer 14 Leute in Doppelstockbetten (Jürgen muss nach oben, ich habe Höhenangst), außer unserer Gruppe also noch 3 Fremde. Das letzte Mal hatte ich so etwas in einer Konfirmanten-Freizeit.
abendliches Bergglühen

Der weitere Abend:
Man schaut nochmal vor die Hütte – Sonnenuntergang, Teide-Schatten und so, aber es ist schon ziemlich kalt.
Die Italiener gehen ziemlich früh zu Bett, jedenfalls sind wir in der Küche bald fast allein, zumindest der Rest von uns. Jürgen geht auch früh schlafen, Gisela versucht sich mit „gemischtem Rose“ aufzupeppen, Hildegard will nicht vor 10 Uhr ins Bett, damit die Nacht nicht zu lang wird... So gehe ich mit den letzten um kurz nach 10 Uhr ins Bett, vorher nochmal auf die Toilette. Der letzte, der sich im Zimmer hinlegt, macht das Licht aus, ich glaube, das ist Hermann, oder Christoph ???

Wir haben immerhin bezogene Betten, mit Kopfkissen. Nur haben sicher schon andere drin geschlafen. Man darf nicht zimperlich sein. Es ist dunkel. Nach Jörg seinem Ratschlag habe ich mich mit vollen Klamotten hingelegt. Aber das ist unbequem. Irgendwann ziehe ich die Hose und die Socken aus. Besser, gemütlicher. Schlafen kann man trotzdem nicht. Irgendwer schnauft immer, dreht sich, die Betten knatschen. Wenn Jürgen sich oben umdreht, wankt das ganze Teil.

Und – Mist – obwohl ich kurz vor dem Hinlegen zur Toilette war – ich muss schon wieder. Wie im Dunkeln zur Tür finden ? Man sieht zwar eine schmalen Lichtspalt unter der Tür. Aber alle anderen wieder stören ? Ich zähle auf Jürgen, der muss bestimmt auch irgendwann. Bingo, und ich hänge mich dran....

Die Nacht zieht sich endlos, ich kann die Uhr nicht erkennen, die Stirnlampe, die uns Jörg schon für den nächsten Morgen gegeben hat, finde ich im Dunkeln nicht. Geschlafen hat die Nacht wohl keiner, jedenfalls hat keiner geschnarcht.
Als der erste – nicht von uns - aufsteht, gehe ich auch aufs Klo. Slip und T-Shirt wechseln, das Wasser aus dem Hahn reicht nicht zum Zähneputzen, also das kostbare Trinkwasser verwenden. Nix mit Wasser ins Gesicht, um munter zu werden. Gisela ist auch schon auf, wir warten draußen noch bis zur offiziellen Aufstehzeit, dann ist im Schlafraum auch schon wieder Licht. Wir ziehen uns an, Frühstück höchstens im Stehen, die Italiener haben die Küche okkupiert. Einige trinken etwas warmes, Jürgen und ich nehmen ein Pickup.

Alle stehen irgendwie neben sich. Gisela will nicht mitlaufen, sondern – wenn es heller wird – direkt zur Seilbahn gehen.

Nur noch 9 + Jörg. Wir lassen die Italiener vorher vorbei, die sehen alle sehr fit aus.
Und dann gehen wir los. Warm eingepackt, T-Shirt, Fleecejacke, Jacke, Schal, Stirnband, Handschuhe. Die Rucksäcke sind sehr leicht geworden, das meiste ist ausgetrunken, aufgegessen bzw. angezogen.
Die Stirnleuchten sind gut. Meine Befürchtungen, dass ich nicht richtig sehen kann, sind unbegründet. Vorteil: Sie reichen nicht so weit, dass ich sehen kann, wie weit es nach unten geht.

Von der Hütte bis zur Spitze sind es noch ca. 550 Höhenmeter. Aber die haben es in sich. Hier kann man den Weg nicht verfehlen, aber immer bergauf natürlich, absolut unregelmäßig, jeder Schritt kostet neue Anstrengung.
Gegen 7.00 Uhr sind wir bei der Seilbahn, gemein, dass es auf einmal wieder ein ganzes Stück bergab geht ... wir wollen doch nach oben ...  Anna und Manfred bleiben hier, allerdings müssen sie in Kauf nehmen, dass sie bis zur ersten Bahnfahrt (ca. 9.00 Uhr) in der Kälte warten müssen, die Sonne ist noch nicht aufgegangen.
Am Kraterrand

Der Rest der Gruppe, noch 7 + Jörg, geht weiter.
Jürgen hat wieder zu seiner Kondition zurückgefunden und läuft vor, ich hatte nie richtig welche. 3 Minuten laufen, 2 Minuten Pause.
Maria stürmt von unserer Gruppe als erste den Gipel, ich mache mit Jörg das Schlusslicht. Die letzten Meter, Jörg macht noch auf den ursprünglichen Krater aufmerksam, an dem andere meistens vorbeilaufen, umwehen uns Schwefeldämpfe, was das Atmen nicht gerade leichter macht.
Aber es gibt mir das Gefühl „Der Berg lebt“. Ich bin nah dran, es hat sich gelohnt.

Endlich sind wir oben, die Italiener haben natürlich die Windschattenseite besetzt, Jürgen sitzt mittendrin, wechselt uns zuliebe dann auf die andere Seite. Viel Platz ist oben nicht. Jörg hampelt gefährlich auf den Felsen rum, um Gipfelfotos zu schießen. Und es ist bitterkalt. Aber Jörg hat vorgesorgt: Zwei Flachmänner mit dem Hausschnaps aus dem Bodegon (von Opa). Der tut gut, obwohl man beim Trinken fast am Metall festfriert. So harren wir dort oben aus, warten auf den Sonnenaufgang, unter uns die Wolkendecke. Hinterher hat man uns erzählt, dass es in La Orotava den ganzen Morgen geregnet hat.

Doch da stehen wir drüber, im wahrsten Sinne des Wortes.

Gegen 8.00 Uhr geht die Sonne auf. Das kann man nicht beschreiben, das muss man gesehen haben. Es hat sich gelohnt, das ist etwas, das all die, die nur mit der Seilbahn hochkommen, nicht erleben können. Was die Anstrengungen von gestern und heute und die schlaflose Nacht dazwischen wieder wettmacht.
Man ist nur in diesem Moment mit dem Gefühl „Ich habe es geschafft, ich bin hier, und es ist schön!!“

Mit der Sonne wird es etwas wärmer, aber leider dürfen wir nicht länger bleiben. Die Genehmigung gilt bloß bis 9.00 Uhr, also müssen wir Abschied vom Gipfel nehmen und wieder zur Seilbahn gehen. Hatte ich beim Aufstieg noch Bedenken, mir erschien der Weg ziemlich steil für den Rückweg, was mir aber in dem Moment egal war, so ist jetzt alles ganz easy. Wir bummeln absichtlich, um noch ein wenig länger das Gefühl zu haben, auf dem Berg zu sein.

Von 2200 m auf 3718 m. Das war für uns der Mount Everest. Wir wissen nicht, ob wir so etwas noch einmal machen werden, auf alle Fälle wissen wir jetzt die Leistung mancher Bergsteiger zu schätzen, und können ahnen, wie leicht man, wenn man sich überschätzt, damit auch eine Gruppe behindern oder gar in Gefahr bringen kann.

Wir werden sicher noch einmal auf den Teidegipfel steigen, aber dann wahrscheinlich ab Seilbahn 3550 m. Das wird dann ein Klacks sein, trotz der Höhe. Und trotzdem nicht mit Flipflops. Und wir werden uns immer an das Gefühl erinnern, sich selbst überwunden zu haben, es auch anders geschafft zu haben.

Sabine und Jürgen, Göttingen

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